Boas-Pythons

von Erich Koerber


Vorwort: Die Amazonas Tieflandform von Corallus caninus wurde 2009 von Henderson et al. zu Ehren des englischen Naturforschers Henry Walter Bates (1825 -1892) als eigenständige Art beschrieben und hat seitdem unter dem Gattungsnamen Corallus batesii als eigene Art Bestand.

Corallus caninus findet man in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Guyana, Surinam und Französisch Guyana. Es existiert eine äußerst fragwürdige Publikation über das Vorkommen von Corallus caninus im Westen der Anden (Niceforo-Maria) von 1942.

Die Verbreitung von Corallus caninus ist an den tropischen Regenwald des Flachlands gebunden. Er fehlt im nordöstlichen Brasilien und atlantischen Regenwald des östlichen Brasilien. Man findet ihn ausschließlich in Regionen die mehr als 1500 mm Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr aufweisen.

Die Maximallänge beläuft sich auf höchstens 2,50 m. Das generelle Erscheinungsbild beginnt mit einem großen stämmigen Kopf, langen überstehenden Kinnbacken, einen schmalen Hals der in den etwas seitlich abgeflachten Körper übergeht und mit dem langen Greifschwanz endet. Die Farbe der Unterseite variiert von weiß über cremefarben bis zu einem kräftigen Gelb. Manchmal ist diese auch mit einzelnen grünen Schuppen oder Grüntönen durchsetzt. Die Unterseite des Kopfes ist normalerweise in Gelbtönen gehalten. Die Flanken sind gelblich, häufig mit grünen Sprenkeln um schließlich ganz in grün überzugehen. Die Färbung des Rückens ist je nach geographischer Herkunft der Tiere ziemlich unterschiedlich gestaltet. Während Tiere aus den nördlichen Verbreitungsgebieten stark reduzierte weiße bzw. grauweiße Querstreifen aufweisen, die bei Exemplaren aus Guyana und Venezuela sogar manchmal vollständig fehlen, haben Tiere aus dem südlichen Surinam und Nordbrasilien bereits bis zu große weiße Dreiecke, die oftmals von einer dünnen weißen Rückenlinie verbunden sind. Tiere aus dem Amazonasbecken bestechen durch einen breiten durchgehenden weißen Dorsalstreifen. Die Neugeborenen sind orange bis rot, rotbraun und teilweise auch schon grün gefärbt. Die weiße Rückenzeichnung der Jungtiere ist meist schon so vorhanden wie nach der Umfärbung. Die grüne Grundfärbung variiert sowohl unter den lokalen Varianten, wahrscheinlich aufgrund unterschiedlicher Temperaturzonen innerhalb eines Verbreitungsgebietes, als auch in den verschiedenen Unterarten. Insbesondere Tiere aus Guyana weisen dunklere Grüntöne auf als Tiere aus südlichen Verbreitungsgebieten.

Der Hundskopfschlinger ist mit seinem Körperbau vollständig an das Leben in Bäumen angepaßt und verbringt manchmal sein ganzes Leben in ein und demselben, soweit ein ausreichendes Nahrungsangebot vorhanden ist. Er ist deshalb auch oft auf ein Futtertier spezialisiert und falls solche Tiere in Gefangenschaft gelangen, sind diese schwer auf die normalerweise von uns angebotenen Kleinsäuger umzustellen.

Corallus caninus ist in Gefangenschaft nicht an bestimmte Fortpflanzungszyklen gebunden, obwohl es zu vermehrten Paarungen im Winter kommt. Die Geschlechter sind äußerlich nicht eindeutig zu bestimmen und nur Sondieren bringt absolute Gewißheit. Die Weibchen werden je nach Ernährungszustand ab dem dritten Lebensjahr geschlechtsreif, die Männchen bis zu einem Jahr früher.

Grundsätzlich muß festgestellt werden, daß man die Haltungsbedingungen beim Grünen Hundskopfschlinger, insbesondere bei Wildfangtieren nicht vereinheitlichen kann. Dazu sind die Unterschiede im Verhalten und bei der Eingewöhnung in die Gefangenschaft der lokalen Verbreitungsgebiete zu groß.

Während Tiere aus Surinam und dem Nördlichen Brasilien weniger heikel erscheinen, machen die Spezies aus Guyana und dem Amazonastiefland oftmals früher oder später Probleme. Man sollte deshalb unbedingt versuchen Nachzuchttiere zu erwerben, da diese an die Gefangenschaft und deren Futtertiere gewohnt sind und auch auf suboptimale Luftfeuchtigkeit weniger sensibel reagieren, da sie das Trinken aus den Wasserbecken gelernt haben und so ihren Flüssigkeitshaushalt besser regeln können. Nachzuchten sind vor allem auch weniger streßempfindlich. Ein Wildfang reagiert schon mal mit dem Auswürgen von angedauter Nahrung, falls man mal das Sprühen vergißt oder ihm nicht die nötige Ruhe nach der Mahlzeit gönnt. Dieses sogenannte Regurgitationssyndrom ist dann oft der Beginn eines vielleicht vermeidbaren Leidensprozesses der zumeist den Tod zur Folge hat. Die Tiere verlieren hierbei soviel an Substanz und würden nach ein paar Tagen häufig sogar wieder zuschlagen bevor sich der Magendarmtrakt beruhigt hat, was natürlich die Aussichten auf Rettung schier aussichtslos gestalten würde. Daher sollte man Tiere die gekotzt haben unbedingt ein paar Wochen in Frieden lassen. Frisch importierte Tiere müssen ebenso einige Zeit in Ruhe gelassen werden und sollten daher keinesfalls, bevor sie die für den Caninus typische Freßstellung eingenommen haben, gefüttert werden oder gar durch Ärgern zur Nahrungsaufnahme bewegt werden. Außerdem wählt man zuerst Futtertiere, die für den Hundskopfschlinger eher zu klein erscheinen um ihn eine zunächst reibungslose Verdauung zu gewährleisten. Später kann man dann die Größe auf eine ihm angemessene Ration steigern. Manche Tiere lehnen auch strikt Nager ab. In diesem Fall versucht man es mit Küken oder präparierten Nagern, was normalerweise den erhofften Erfolg bringt.

Die Terrarieneinrichtung und Größe ist eigentlich genauso problematisch. Während einige Tiere geräumige und bepflanzte Becken akzeptieren oder sogar bevorzugen, sind andere ausschließlich in kleinen sterilen Becken erfolgreich zu halten. Ich persönlich favorisiere die sterile Unterbringung und Einzelhaltung um dadurch Streßsituationen unter den Tieren und auch bei der Fütterung grundsätzlich zu vermeiden. Auch ist eine hohe Luftfeuchtigkeit in kleineren Becken leichter zu halten und nicht zu großen Schwankungen unterworfen. Die Tiere werden ausschließlich zur Paarung und hier auch nur für einige Wochen zusammengesetzt. Ich bevorzuge Haltungstemperaturen je nach Verbreitungsgebiet mit einem Tageshöchstwert von ca. 30° Celsius und einem Nachttiefstwert bis 24° Celsius über das ganze Jahr.

Fazit: Corallus caninus ist nur erfahrenen und verantwortungsbewußten Pflegern vorbehalten und auch diese sollten unbedingt versuchen Nachzuchttiere zu erwerben, da hier obige Problematik meist gar nicht oder zumindest nicht in dem Ausmaß wie bei Wildfängen vorhanden ist.